Zeitblick / Das Online-Magazin der HillAc - September/Oktober 2007 - Nr. 25

 

In Hamburg

Angekommen


Die Katastrophe ereignete sich in der Nacht vom 14. auf den 15. April des Jahres 1912. Ungefähr 41° 43' Nord und 49° 56' West, ca. 450 Seemeilen vor der Küste Neufundlands: Die TITANIC kollidierte mit einem Eisberg und sank. Seither kennt man die Gefahren, die in diesem Gebiet des Nordatlantiks lauern:

  • Eisberge, die entstehen, wenn Stücke eines Gletschers oder des Schelfeises rund um Grönland abbrechen und im kalten Labradorstrom gen Süden treiben.

  • Dichter Nebel, da hier der kalte Labradorstrom auf den warmen Golfstrom trifft.

Trotzdem verlaufen heute die Hauptschifffahrtsrouten zwischen Europa und Nordamerika durch dieses Gebiet. Eine zusätzliche Kollisionsgefahr für Yachten.

Wegen der Kollisionsgefahr mit einem Eisberg, wird dieses Gebiet des Nordatlantiks heute ständig von Flugzeugen der International Ice Patrol (IIP) observiert. Alle zwölf Stunden veröffentlicht die IIP einen neuen Eiswarnbericht im Internet.


Alan Green vom Royal Ocean Racing Club (RORC) in London auf der Bühne im Race Village anlässlich der großen Siegerehrung am 14. Juli 2007. / Foto: HillAc

Um eine Begegnung mit einem Eisberg für die am BLUE RACE 2007 teilnehmenden Yachten auszuschließen, hatte Alan Green, Wettfahrtleiter des BLUE RACE 2007, die Berichte der IIP analysiert und POINT ALPHA auf 41° Nord und 45° West gesetzt - 1.300 Seemeilen östlich von Newport. Nicht einmal eine Boje, ein imaginärer Punkt im Nordatlantik, Koordinaten für die Navigatoren. Die Linie Newport - POINT ALPHA mussten die Yachten südlich passieren. Diese Linie markierte für das BLUE RACE 2007 die Eisgrenze. Eine Yacht die diese Regel nicht einhielt, musste im schlimmsten Fall mit einer Disqualifizierung rechnen.

Nach dem Umrunden von POINT ALPHA waren bis zum nächsten Wendepunkt, Skroo Lighthouse auf Fair Isle, 1.800 Seemeilen quer durch den Nordatlantik zu bewältigen. Fair Isle ist eine schottische Insel die zur Gruppe der Shetland-Inseln gehört. Sie liegt in der Passage zwischen den Shetland-Inseln und den Orkney-Inseln.


Der Leuchtturm von Skroo, Skroo Lighthouse, auf Fair Isle. © Fair Isle Bird Observatory

Fair Isle - etwa 9 km² - ist als Station für Zugvögel bedeutsam. An der Ostküste gibt es ein Vogel-Observatorium, das Fair Isle Bird Observatory.


© Fair Isle Bird Observatory

Jetzt waren es noch 500 Seemeilen quer durch die Nordsee bis zur Ziellinie am Cuxhavener Steubenhöft. Die erste Yacht erreichte diese Linie am 1. Juli um 16:14 Uhr MESZ. Es war die OUTSIDER, sie war am 16. Juni in Newport gestartet. 14 Tage, 20 Stunden , 14 Minuten und 10 Sekunden waren fünf Deutsche und vier Neuseeländer auf der 15,75 m langen OUTSIDER unterwegs.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli lag die OUTSIDER am Lentzkai in Cuxhaven. Am 2. Juli gegen 17:00 Uhr machte die OUTSIDER im City Sporthafen Hamburg fest. Hier trafen in den nächsten Tagen auch die anderen Yachten ein.


Die OUTSIDER am 3. Juli 2007 im City Sporthafen Hamburg. / Foto: HillAc

Die OUTSIDER wurde Ende 2006 von der Werft Salthouse in Auckland (New Zealand) gebaut. Entworfen wurde Sie von Greg Elliott (New Zealand). Eigner der OUTSIDER ist Tilmar Hansen (Germany). Beide segelten beim Blue Race auf der OUTSIDER mit.


Vier Mitglieder der OUTSIDER-Crew bei der Siegerehrung am 14. Juli. Eigner und Skipper Tilmar Hansen (links). / Foto: HillAc

Am 3. Juli um 11:57 Uhr MESZ überquerte die zweite Yacht die Ziellinie vor Cuxhaven. Es war die CHIEFTAIN. 16 Tage, 15 Stunden, 57 Minuten und 4 Sekunden brauchte die 15,24 m lange irische Yacht CHIEFTAIN mit dem Skipper Gerard O'Rourke von Newport bis zur Ziellinie.


Die CHIEFTAIN am 7. Juli 2007 im City Sporthafen Hamburg. / Foto: HillAc

Als dritte Yacht überquerte die 24,84 m lange GREY GOOSE mit dem Hamburger Skipper Tobias König und seiner 15-köpfigen Crew am 5. Juli um 10:26 Uhr MESZ die Ziellinie vor Cuxhaven. Die GREY GOOSE war genau 18 Tage, 14 Stunden, 26 Minuten und 55 Sekunden von Newport nach Cuxhaven unterwegs.


Die GREY GOOSE am 7. Juli 2007 im Brandenburger Hafen . / Foto: HillAc

Es waren noch keine zwei Stunden vergangen, seit die GREY GOOSE die Ziellinie überquert hatte, da kreuzte die RAMBLER als vierte Yacht die Ziellinie in Cuxhaven. Die RAMBLER hatte unter Skipper Ken Read die Strecke von Newport bis Cuxhaven in genau 11 Tagen, 16 Stunden, 13 Minuten und 59 Sekunden bewältigt. Ein neuer Rekord.


Die RAMBLER am 7. Juli 2007 im Brandenburger Hafen . / Foto: HillAc


George David (links) Eigner der RAMBLER und Wouter Verbraak (rechts) Navigator auf der RAMBLER bei der Siegerehrung am 14. Juli. / Foto: HillAc

GREY GOOSE 18 Tage, RAMBLER 11 Tage, beide am 5. Juli angekommen? Ich versuche, es zu erklären.

Die OUTSIDER, die CHIEFTAIN und die GREY GOOSE waren am 16. Juni 2007 mit 18 weiteren Yachten um genau 14:00 Uhr Ortszeit in der Bucht von Newport vor Fort Adams gestartet.

Beim Blue Race starteten aber insgesamt 24 Einrumpf-Hochseeyachten. Also fehlen noch drei. Diese drei sogenannten "schnelleren Boote" oder "Maxiyachten" starteten am 23. Juni auch um 14:00 Uhr Ortszeit vor Fort Adams. Das waren die BON BON (Länge: 24,4 m), die RAMBLER (Länge: 27 m) und die PARSIFAL III (Länge:54 m). Wären diese Maxiyachten mit dem Hauptfeld am 16. Juni gestartet, so hätten sie die Konkurrenz hoffnungslos abgehängt. Es gilt: Ein kleines Schiff mit kleinen Segeln fährt langsamer als ein großes Schiff mit viel Segelfläche. Der Platz in der Gesamtwertung ergab sich also nicht allein aus der Reihenfolge, in der die Yachten die Ziellinie überquerten.

Bis zum 9. Juli hatten 22 Yachten die Ziellinie erreicht.

Am 6. Juli (Angaben in gesegelter Zeit):

Yacht Tage Stunden Minuten Sekunden
NORDDEUTSCHE VERMÖGEN
19
7
6
0
SNOW LION
19
7
48
36
BANK VON BREMEN
19
8
11
49


Die SNOW LION am 15. Juli auf dem Weg zur Auslaufparade. Am Ruder Lawrence Huntington, Eigner und Skipper auf der SNOW LION. / Foto: HillAc

Am 7. Juli (Angaben in gesegelter Zeit):

Yacht Tage Stunden Minuten Sekunden
TUTIMA
20
8
42
7
BON BON
13
14
8
3
ISKAREEN
20
15
49
30
KPMG
20
20
37
59
BOATMEN
20
21
11
28


Die BON BON am 8. Juli im Brandenburger Hafen. / Foto: HillAc

Am 8. Juli (Angaben in gesegelter Zeit):

Yacht Tage Stunden Minuten Sekunden
VARUNA
21
4
37
32
LUV
21
7
10
34
HASPA HAMBURG
21
10
38
28
CHERI RAFFAY HAMBURG
21
11
49
19
SEEADLER
21
15
43
34
MAIDEN
21
18
51
51
ALBATROS
22
2
43
24


Die LUV am 8. Juli im City Sporthafen Hamburg. / Foto: HillAc

Am 9. Juli (Angaben in gesegelter Zeit):

Yacht Tage Stunden Minuten Sekunden
PETER VON SEESTERMÜHE
22
6
57
46
HSH NORDBANK
22
9
37
57
CHARISMA
22
10
42
9


Die PETER VON SEESTERMÜHE während der Auslaufparade am 15. Juli. Foto: HillAc

Die PARSIFAL III und die TAONGA mussten wegen Sturmschäden zwischen POINT ALPHA und Fair Isle aufgeben.

Die gesegelte Zeit (ET := Elapsed Time) war nicht das alleinige Kriterium für die Gesamtwertung. Auch der Time Correction Coefficient (TCC), der für jede Yacht nach den Regeln der International Racing Commission (IRC) ermittelt wurde, war zu berücksichtigen. Somit war für die Gesamtwertung die berechnete Zeit (CT := Corrected Time) entscheidend. Es galt die Formel:

ET * TCC = CT

Danach belegte die RAMBLER den ersten Platz, die OUTSIDER den zweiten Platz und die BON BON den dritten Platz in der Gesamtwertung.

Die Algorithmen, nach denen jeder Yacht ein TCC zugeordnet wird, sind nur dem Royal Ocean Racing Club (RORC) in England und der Union National pour la Course au Large (UNCL) in Frankreich bekannt. Damit soll verhindert werden, dass Yachten speziell nach diesen Kriterien auf Schnelligkeit konstruiert werden.

Platz 20 in der Gesamtwertung belegte eine Yacht mit dem Namen KPMG. KPMG?


Die KPMG am 8. Juli im City Sporthafen Hamburg. / Foto: HillAc

KPMG ist ein weltweites Netzwerk rechtlich selbstständiger, nationaler Firmen in 148 Ländern. In Deutschland gehört KPMG zu den führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. KPMG unterstützte als Hauptsponsor das Team der KPMG. Die vier Buchstaben stehen für die Gründungsväter des Netzwerkes: Klijnveld (Piet), Peat (William Barclay), Marwick (James) and Goerdeler (Dr. Reinhardt).

Die Yacht KPMG wurde 1996 gebaut und ist seither unter vier Namen gesegelt: GLÜCKSBURG, WORLD OF TUI, HOLNIS und jetzt KPMG. Beim HSH Nordbank blue race 2007 wollten 14 Frauen die KPMG sicher und schnell von Newport nach Hamburg segeln. Dies ist ihnen gelungen. Nach 20 Tagen, 20 Stunden, 37 Minuten und 59 Sekunden überquerte die 18,29 Meter lange KPMG am 7. Juli die Ziellinie vor Cuxhaven.


Auf der KPMG am 8. Juli im City Sporthafen Hamburg. / Foto: HillAc

Am 9. September wird die KPMG in Peterhead Bay (bei Aberdeen, Schottland) starten, über die Nordsee nach Norwegen segeln und dann ihren Heimathafen Glücksburg ansteuern. Dort wird sie am 22. September erwartet.

Allen Yachten eine gute Fahrt und stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Jesper Soerensen